Du hörst mir gar nicht zu.
oder Wie ein aktives Ohr das Verständnis in der Kommunikation entscheidend verbessern kann.

Geschossen in der Ausstellung "Du bist die Kunst"

Kopfnicken reicht nicht

Sie reden und reden und reden, aber außer einem „Mhm“ kommt da nicht viel zurück. Keine Sorge, Sie sind nicht alleine. Aktives Zuhören ist nicht sonderlich beliebt und nur bei wenigen überdurchschnittlich ausgeprägt. Besonders nach einem arbeitsreichen Tag mit vielen Aufgaben, intensiven Konzentrationsphasen und energie-zehrenden Kollegen ist bei vielen am Abend die absolute Aufnahme-Schwelle weit überschritten.

Was ich damit sagen möchte? Lassen Sie Ihren Partner abends erst einmal ankommen. Wenn er sich nicht gleich intensiv mitteilen möchte, verschrecken Sie ihn nicht mit zahllosen spannenden Geschichten, die Sie den Tag über erlebt haben und unbedingt erzählen möchten. Die goldene Regel lautet: Ankommen, Durchatmen, Essen. Denn Hunger macht bekanntlich böse, aber das nur am Rande.

Aktives Zuhören ist gefragt.  

Nun zum weitaus schwierigeren Teil: das aktive Zuhören. Zuhören an sich scheint ja nicht die größte Leistung zu sein, jedenfalls hören wir immer wieder „Ich höre dir doch zu, was willst du denn eigentlich?!“ Deshalb steigern wir jetzt einfach einmal den Schwierigkeitsgrad. In der Kommunikation können Sie Ihren Gesprächspartner nämlich wirklich glücklich machen, wenn Sie nicht nur das Gesprochene akustisch konsumieren, sondern mit aktivem Zuhören signalisieren, dass Sie bei der Sache sind und Ihrem Gegenüber interessiert folgen.

Wie das geht? 

Eigentlich ist es gar nicht so schwer. Zu Beginn genügen die kleinen Freunde „Aha“, „Mhm“ oder „Was du nicht sagst“. Verschenken Sie dazu auch ab und zu ein Lächeln und schon sind Sie dem aktiven Zuhören einen Schritt näher.

In der Psychologie gibt es dazu auch ein interessantes Konzept. Es nennt sich Pacen. Dieser Begriff beschreibt das „Mitgehen“ mit dem Gegenüber, das Einnehmen einer ähnlichen Körperhaltung oder eines bestimmten Gesichtsausdrucks. Wenn Ihre Frau Ihnen also gerade von dem unmöglichen Arbeitskollegen erzählt, setzen Sie doch mit ihr gemeinsam einfach einmal ein wütendes Gesicht auf.

Mit kleinen Schritten beginnen

Fangen Sie klein an. Keiner verlangt von Ihnen, dass Sie ab sofort mit allem, was der menschliche Körper an Feedback-Möglichkeiten bietet in geballter Kraft auf Ihr Gegenüber losschießen. Aber wenn Ihnen jemand seine Sorgen mitteilt, nicken Sie doch einmal verständnisvoll, lachen Sie laut über Witze oder grummeln Sie mit Ihrem Partner doch einfach mal, wenn Ihm danach ist.

Und wenn Sie eine Stufe weitergehen wollen, bringen Sie sich doch einfach einmal in die Erzählung Ihres Gesprächspartners ein. Stellen Sie Fragen, wenn Sie etwas nicht verstanden haben und geben Sie Inhalte wider, die Ihnen wichtig erscheinen. So fühlt sich Ihr Gegenüber verstanden und beachtet.


Das lesen Sie außerdem in dieser Ausgabe:

Sag´s lieber persönlich. Die Kolumne. Lesen

Das ist etwas Grünes in meiner Suppe. Die Kommunikations-Theorie. Lesen            

Reden ist Silber, Verstehen ist Gold. Der Artikel. Lesen  

Tere Tulemast Tallinna. Eine spannende Reise in die Hauptstadt Estlands. Lesen

Du bist die Kunst. Eine interaktive Ausstellung auf der Albrechtsburg in Meißen. Lesen

5 Impulse für ein WOW. Die Praxistipps. Lesen

Keiner versteht mich. Die Diskussion. Lesen